Herzlich Willkommen, Lena!

Baby Lena erreichte diesen Sommer Kids of Africa. Sie wurde sieben Tage nach ihrer Geburt gebracht – unterernährt, mit einem mageren Gewicht von nur 1.5 kg. Lena’s Mutter verstarb noch bei der Geburt, die Polizei sucht nach ihrem Vater oder Verwandten, von denen keine Spur existiert.

Lena bei der Ankunft

Lena bei der Ankunft

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Lena nach zwei Wochen

 

Die erfahrene, leitende Sozialarbeiterin, Maria, bat Kids of Africa, Lena zumindest vorübergehend aufzunehmen. Sollte sich keine biologische Familie für Lena finden lassen, so würde die Vormundschaft wohl dauerhaft. Selbstverständlich werden wir Lena die Aufnahme nicht verwehren. In der Zwischenzeit hat sich ihre gesundheitliche Situation bereits stabilisiert. Lena ist im Haus unserer langjährigen Pflegemutter Agnes in den besten Händen.

Vergessene Tragödien

Lena’s tragische Biographie illustriert viele Missstände unseres Verwaltungsbezirks, Wakiso District. Kürzlich traf ich die leitende Sozialarbeiterin, Maria, für einen ausführlichen Gedankenaustausch. Maria ist eine sehr engagierte, erfahrene Sozialarbeiterin. Seit über zwanzig Jahren tut sie mit Herz und Kopf viel Gutes. Weil sie mich ausdrücklich bat, allen Gönnern von Kids of Africa ihren persönlichen Dank aber auch von unserem Gespräch zu berichten, will ich das tun.

  • Wakiso ist bevölkerungsmässig der grösste Verwaltungsbezirk Uganda’s. Circa 1.7 Millionen Menschen leben hier mehrheitlich in Slums. Der Distrik wuchert wie ein Gürtel um Kampala, Uganda’s Hauptstadt. Diese Form und das Verkehrschaos der Hauptstadt verunmöglichen eine nachhaltige Sozialarbeit. Vor allem, weil Maria für ganzen Bezirk nur über vier (!!) weitere Sozialarbeiter verfügt.
  • Umso mehr ist sie auf zuverlässige Hilfsorganisationen angewiesen. Sie lobt Kids of Africa immer wieder im Gespräch. «Doch so verlässlich wie hier, läuft die Zusammenarbeit normalerweise nicht», wiederholt sie mehrfach. Gemäss einer aktuellen UNICEF-Studie, so Maria, liege die Dunkelziffer bei sogenannten «Hilfsorganisationen», welche den Titel missbrauchen, erschütternd hoch. Beim Zuhören bleibt mir ein Kloss im Hals stecken.
  • Hinter den erwähnten Organisationen verbergen sich manchmal hilflose, manchmal grauenerregende Orte, welche, statt zu helfen, ihren Schützlingen Leid und Pein zufügen. Maria berichtete mir von erschütternden Übergriffen, von Kinderhandel und erzwungener Prostitution. Gerade erst traf sie die wahrscheinlich jüngste Mutter ihres Bezirkes: ein elfjähriges Mädchen, missbraucht vom «Heimleiter», der natürlich alles abstreitet. Eine achtzehnjährige Frau empfing dort gerade ihr drittes Kind. Andernorts wurde ein einjähriger Junge rituell «geopfert», um in einer spiritistischen Handlung einem Erwachsenen Aids auszutreiben.
  • All diese menschlichen Tragödien besitzen in der Regel keine Stimme. Refugien, wie das Kids of Africa-Kinderdorf, sind oft die einzige Hoffnung für Menschen wie diese. «Für diese stabile Stütze könne sie im Namen der Betroffenen nicht genug danken» erwähnt Maria immer wieder.

Momente des Glücks

Ich will diesen Brief mit glücklichen Momenten schliessen – denn davon gab es viele, seit dem letzten Brief. Anstelle vieler Worte, will ich nur ein paar Schnappschüsse zeigen – denn manchmal sagt ja ein Bild mehr als tausend Worte.

Zum Schluss ein Gedanke

Albert Schweizer

Das Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

In diesem Sinne danke ich namens unserer vielen, grossartigen Schützlinge (es sind in Schule und Kinderdorf bald 500) für Ihre Unterstützung! Dieses Jahr ist Kids of Africa ganz besonders angewiesen, denn die wachsende Flüchtlingsnot auf der Welt spüren wir an einem ganz erheblichen Spendenrückgang im Jahresvergleich.