Liebe Freunde, dies ist die ungewöhnliche Geschichte von Lina, einer alleinstehenden Flüchtlingsmutter, erzählt von ihrer Tochter Joy im Gespräch mit unserer Schulleiterin.

Lina

Mutter Lina – eine heimliche Heldin

Mutter Lina ist Flüchtling. Sie zog fünf Kinder auf, die sie von unterschiedlichen Männern, nicht immer freiwillig, empfing. Doch während sie niemand, ausser ihren Kindern, unterstützt, ist sie jederzeit bereit, anderen zu helfen. Ihr ältester Sohn und ihre älteste Tochter, Joy, besuchen als Stipendiaten unsere Schule. Beide sind wohlerzogen, loyal und lernbegierig. Die anderen drei Kinder besuchen eine benachbarte Tagesschule. Lina zahlt für sie – von dem Wenigen, das sie verdient.

Doch als wäre das nicht genug, nahm Lina – mit dem Einverständnis ihrer biologischen Kinder – vier weitere Schützlinge auf. Ihre Tochter Joy berichtet: «Zuerst kam Betty (12). Sie brauchte Schutz, weil ihre alleinstehende Mutter trank, schlug und ihre ältere Schwester gerade fortgerannt war. Kurz darauf kam Josephine (14). Josephines Mutter ist krank. Ich glaube, sie hat Aids. Sie ist mit meiner Mutter befreundet.
Und zur letzten Weihnacht kam Olivia (14) dazu. Sie war schwanger. Ihre Familie und ihre Schule hatten sie deshalb verstossen. Sie sollte in einen Wald, wo sie leiden, allein gebären oder sterben sollte», berichtet Joy.

Gefragt nach den Umständen der Schwangerschaft: «Er hiess Freddy. Er war etwa 20. Weil es bei Olivia daheim nur selten etwas zu essen gab, lud er sie zu einem Snack ein. Das war nahe einer Kirche, wo viele Bäume standen. Danach wurde sie schwanger. Er verschwand, als er von Olivias Schwangerschaft erfuhr.»

Olivia

Liebe und Solidarität für eine selbstbestimmte Zukunft

Als einige Monate später Olivias Wehen einsetzten, nahm sie ein Motorrad-Taxi, um eine Klinik zu erreichen. Doch es war bereits zu spät. Sie gebar das Kind am Strassenrand. Mutter Lina war zufällig zugegen. Sie half ihr bei der Geburt. So kamen Olivia und ihr Baby Favorite als letzte Schützlinge zu Weihnachten in Linas Familie. Die siebenköpfige Patchwork-Familie lebt in einer kleinen Zwei-Zimmer Hütte. Jeden Abend nach der Arbeit macht Mutter Lina dort beim Licht einer Paraffin-Lampe noch Hausaufgaben mit den fünf älteren Kindern.

Es war Zeit, zurück zum Unterricht zu gehen. Doch zuvor fragte ich Joy noch nach ihren vier Favoriten:

  1. Ihr liebstes Essen? «Pizza»
  2. Ihr liebster Lehrer? «Ronald» (ihr Englischlehrer)
  3. Ihre beste Freundin? «Rachel, von Kids of Africa»
  4. Was will sie später werden? «Präsidentin»

Aufgezeichnet von Dorte Budolfsen, langjährige Direktorin und Schulleiterin von Kids of Africa